Schwerpunkte der 2. Förderphase

3. Module und Arbeitsfelder für die zweite Förderphase ab Oktober 2003
 

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Modul 1: Repräsentation

Arbeitsfelder

- Bild, Macht und Metaphorik

- Repräsentation und Imagination?

- Bildlichkeit und Schriftlichkeit?

- Körperlichkeit und Repräsentation?

- Bild und Kult

- Bild und Gedächtnis

Verantwortliche

Boehm
Assmann
Wyss
Schulze
Held
Frohne

 

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Modul 2: Bild und Blick

Arbeitsfelder

- Wahrnehmungstechnik?- Kulturgeschichte des Blicks?- Wahrnehmungs- und           
   Erkenntnistheorie

Verantwortliche

Boehm
Belting
Schneider
Weibel

 

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Modul 3: Bildpragmatik. Das Bild als Wissens- und Kommunikationsmedium

Arbeitsfelder

- Außereuropäische Kulturen?- Bild und Wissen?- Kunstpraxis

Verantwortliche

Ledderose
Assmann
Grossklaus
Gohr
Wyss

 

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Modul 4: Bild, Bewegung und technische Reproduktion

Arbeitsfelder

- Archäologie des technischen Bildes
- Theater?- Film?- Neue Medien

Verantwortliche

Zielinski
Kirchmann
Frohne
Grossklaus
Balme

 

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Modul 1: Repräsentation

In Bezug auf die drei zentralen Koordinaten des Graduiertenkollegs Bild – Körper – Medium ist der Fokus auf die Repräsentationsfrage von besonderer Wichtigkeit, da sich durch sie aus anthropologischer Sicht die Verbindungen und Bedingungsverhältnisse zwischen Bild, Körper und Medium ausweisen lassen. Wie repräsentiert das Bild den Körper? Wie kann der Körper als Bild verstanden werden? Welche Verknüpfungen von Körperlichkeit und Repräsentation sind historisch und aktuell zu konstatieren? Gerade im Hinblick auf die gesellschaftstheoretische Relevanz in Bezug auf Machtdispositive ist die Bearbeitung dieser Frage nur mit einer interdisziplinären Bildwissenschaft möglich. Hier ist selbstverständlich auch die Thematisierung des Zusammenhangs von Bildlichkeit und Sprache wichtig.

Das Kollegium ist sich bewusst, dass mit „Repräsentation“ ein Begriff benannt ist, der spätestens seit den Analysen im weiten Feld von Strukturalismus, Semiologie, Ideologiekritik und Psychoanalyse zu den vieldiskutierten und weitverbreiteten gehört, zugleich auch zu denjenigen, die in ihrer Komplexität und Historizität am schwersten zu fassen sind. Allerdings können im wesentlichen drei unterschiedliche Bedeutungen ausgemacht werden, die miteinander korrespondieren: „Repräsentation“ kann erstens die Bedeutung von „Vorstellung“ annehmen, die, vor allem in psychologischer und kognitionstheoretischer Tradition, als mentales Bild einer Vergegenwärtigung verstanden wird. Zweitens wird „Repräsentation“ in der sicherlich häufigsten Verwendung, die von einer christlich-theologischen bis zur modernen reicht, als Darstellung von etwas – in Korrelation zur geistigen Vorstellung – aufgefasst. Damit ist ganz allgemein die veräußerlichte, materialisierte, codierte und daher immer auch symbolisch und kollektiv wirksame Referenz auf und ein „Stehen-für“ gemeint, das nicht notwendig im Hier und Jetzt anwesend sein muss, um als präsent vorgestellt, gedacht und erinnert werden zu können, sei es mittels der Sprache, der Schrift, der Bilder oder sei es mit Hilfe anderer möglicher Zeichen und ihrer als Zeichenträger fungierenden Medien. Das Bild impliziert immer den Gedanken der Transposition, der Verschiebung, der Vertretung, indem es sich nicht allein in seinem An-Sich-Sein erschöpft, sondern ein An-und-Für-Sich-Sein einschließt. Weniger hegelianisch gesprochen könnte man sagen: Das Bild steht immer für etwas, und es lassen sich verschiedene Weisen dieser Vertretung konstatieren, die ihre jeweiligen historischen Ausprägungen oder Hochkonjunkturen haben. Welche Formen zu unterscheiden und zu erforschen sind, wird später noch ausgeführt werden. Schon die Verwendung des Begriffs „Ikon“ (gr. eikon = Bild, Ebenbild), der bereits in der antiken Literatur für das Abgebildete, Abgeformte, das Bildnis, also für alle Bilder verwendet wurde, die künstlich, durch den Menschen, hergestellt werden, zeigt, dass das Ikon als Transposition, die Umschrift des einen in das andere verstanden wurde. Es hat seine Funktion als Bild in der Relation. Der Begriff der Repräsentation verweist noch stärker auf diese zentrale Komponente des Bildbegriffs und hat zudem den Vorzug, den Darstellungsaspekt herausstellen zu können. Repräsentation lässt sich im weitesten Sinn als ein Prozess der Sinnkonstituierung verstehen, in dessen Verlauf die Komponenten Referenz und Performanz insofern eine zentrale Rolle spielen, als sie auf die Schaffung einer neuen Qualität, nämlich die des Bildes verweisen.

Repräsentation ist selbstverständlich ein wesentliches Merkmal sprachlicher Prozesse, deren semiotische Dimensionen von Saussure und Ch. S. Peirce weitgehend ausgelotet und systematisiert wurden. Als Vermittlungsvorgang, der durch Verweise und Stellvertreter funktioniert, ist die Repräsentation ein integraler Bestandteil der Sprachen und der Zeichensysteme in der Kunst. Die Frage nach der Repräsentation führt aber auch in ein epistemologisches Problemfeld und betrifft in ihrer medialen Funktion eine große Bandbreite von Fächern. Seit der Antike ist Repräsentation ein Grundkonzept der Ästhetik, der Semiotik und zumindest seit der Moderne der Politik und Staatskunde.

Für das erste Modul werden sich insbesondere Gottfried Boehm, Jan Assmann, Beat Wyss, Ulrich Schulze, Jutta Held und Ursula Frohne verantwortlich zeigen.

Im Projekt „Ikonische Repräsentation“ von Gottfried Boehm soll die Spezifik und Regelhaftigkeit des Ikonischen herausgearbeitet werden. Die verbreitete Abbildungsleistung, über die Bilder verfügen, hat der Auffassung Vorschub geleistet, Bilder seien überhaupt Repräsentationen dessen, was auf andere Weise schon existiert oder bestimmt wurde. Spätestens seitdem bildgebende Verfahren in Naturwissenschaften oder Medizin unmittelbar und spezifisch der Generierung von Erkenntnissen dienen, kann das substituierende oder illustrierende Bildmodell nicht mehr genügen. Die genuine Logik der Bilder aufzuklären, rückt die bisherigen theoretischen Substrate, vor allem in der Semiotik, der Phänomenologie, der Psychoanalyse und der Mediendebatte in ein neues Licht. Die Ermittlung der kritischen Differenz des Ikonischen erweist sich als fruchtbare Perspektive auf den gesamten kulturellen Kontext der Bilder. Sie macht auch den Kern dessen aus, was das Projekt „Bildwissenschaft“ intendiert.

Der an der Universität Basel bereits existierende Arbeitsbereich „Bild/Bildlichkeit“, der u.a. den Austausch mit der Literaturwissenschaft und Ethnologie kultiviert, sowie das dortige Forschungsprojekt „Bild – Figur – Zahl“, an dem auch Historiker beteiligt sind, bietet gute Anknüpfungspunkte für das Karlsruher Graduiertenkolleg. Als ein wichtiges Anwendungsfeld der erwähnten theoretischen Grundlagen erweist sich dabei das implizite Bilddenken der Moderne, die in ihren Werken die Grenzen des Ikonischen erweiterte und unterminierte. Dieses historische Laboratorium der Bilder, das zum Beispiel auch in zeitgenössischen Video- und Filminstallationen weiterarbeitet, bietet eine Fülle von Ansätzen, die künstlerische Konstellationen aufzuschließen erlauben. Hinzu kommt die zunehmende „Verflüssigung“ des Ikonischen, zum Beispiel in Richtung der Performanz oder der bewegten Bilder. In ihrer Konsequenz liegt eine Revision der Grundlagen, die in Lessings „Laokoon“ wirksam formuliert wurden, eine Revision, welche die Temporalität als einen zentralen Impuls der Bilder diskutiert, dem Deiktischen zu seinem Recht verhilft.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Bildkonzepte in der Kunst der Moderne (kritische Prüfung ihrer Tragweite)
•    Temporalität als ikonischer Impuls
•    Repräsentation und Präsenz
•    Metaphorizität und Figuration: Bilder und Sprachbilder
•    Bilder und bildgebende Verfahren
•    Kognitive Bildmodelle (z.B. Diagramme)

Jan Assmann wird in dieser fächerübergreifenden und transhistorischen Fragestellung zunächst aus der ägyptologischen Perspektive das Verhältnis von Bildlichkeit und Schriftlichkeit als zwei unterschiedlichen Repräsentationssystemen zu einem besonderen Schwerpunkt machen. Gerade in den „Hieroglyphen als Schriftsystem“ werden Bildlichkeit und Sprachbezug paradigmatisch miteinander verknüpft. Es handelt sich um ein Schriftsystem, das Bildlichkeit und Sprachlichkeit verbindet, also zwei Kompetenzen kombiniert, die interessanterweise von der neueren Hirnforschung verschiedenen Hirnhemisphären zugeordnet wurden, und damit die in der abendländischen Tradition strikt durchgeführte Grenze zwischen dem bildlichen (räumlichen, simultanen) und dem sprachlichen (zeitlichen, diskursiven) Erfassen systematisch überbrückt. In Ägypten bedingt die Bildlichkeit des Schriftsystems die Schrifthaftigkeit der Kunst; in der abendländischen Tradition führt die nie untergegangene Erinnerung an die ägyptischen Hieroglyphen zu einer hochentwickelten Grammatologie, in deren Rahmen die grundlegenden Fragen des Bezugs von Sprache, Denken und Wirklichkeit verhandelt wurden. Ein kulturgeschichtlich wichtiges Arbeitsfeld für PromovendInnen wäre die Analyse von „Bildlichkeit und Schriftlichkeit“, beispielsweise die Beschäftigung mit der Schrifthaftigkeit der ägyptischen Kunst in Hinblick auf eine „Ikonologie“. Das Thema der „Bildlichkeit und Schriftlichkeit“ wäre auch ein interessanter Fokus für bildwissenschaftliche Dissertationen zu anderen Kulturen.

Darüber hinaus plant Jan Assmann in enger Kooperation mit Hans Belting die Frage nach der Repräsentation durch Bilder in einem Arbeitsfeld zu „Bild und Kult“, wie im Einrichtungsantrag dargestellt, weiter auszubauen, wobei zum einen der Götterkult und zum anderen der Totenkult im Vordergrund stehen sollen, in dem, wie im Forschungsprogramm ausführlich dargelegt, die Parameter von Bild, Körper und Medium paradigmatisch zusammen kommen. Zu erforschen ist hierbei insbesondere die Differenz zwischen dem materialisierten Bild einer Gottheit im alten Ägypten, die im Bild präsent gedacht und nicht von diesem zu trennen ist, und demjenigen eines Bildes des Gottessohnes im christlichen Bilderkult, das allein der erinnerbaren Re-präsenz des leiblich in der Geschichte gewesenen Christus dient – so wenigstens die offizielle Bildtheorie und Bildtheologie der Kirche. Analog ist dies für Machtansprüche herrschaftlicher Repräsentationen zu denken. Die Frage nach der jeweiligen kulturspezifisch gedachten Repräsentation soll zusätzlich im Modul „Bildpragmatik“ fruchtbar gemacht werden.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Das Verhältnis von Bildlichkeit und Schriftlichkeit in der ägyptischen Kultur
•    Porträt und Maske im Kulturvergleich
•    Das Verhältnis von Bild und Körper in der ägyptischen Theologie
•    Bild und Seele in der ägyptischen Anthropologie: der Mensch als verkörperte Seele und beseelter Körper
•    Götterbilder und heilige Tiere als Medien göttlicher Weltzuwendung
•    Die Theurgie und ihre Beziehung zum spätägyptischen Bildkult
•    Die Repräsentation des Heiligen
•    Ästhetik des Unsichtbaren in der christlichen Ikone

In enger Anlehnung an Assmanns Forschungen zum kulturellen Gedächtnis wird Beat Wyss unter dem Aspekt des Wissens- und Kulturtransfers zum Thema „Bild und Erinnerung“ arbeiten. Das materielle Kunst- und Kulturgut besteht aus einem Korpus von überlieferten Realien, die ein Bild von der Vergangenheit herstellen, für die sie zeugen; es ist zugleich Medium eines sich stets transformierenden Traditions- und Gegenwartsverständnisses. Als visualisiertes Gedächtnis, unterstützt von mündlicher und schriftlicher Überlieferung, wird es überlagert von Gebrauchsspuren zwischen Ritus und ästhetischer Erbauung, politischer und alltagspraktischer Nutzung: all das gleichzeitig übereinander geschichtet wie Zwiebelhüllen über jenem Punktum magischer oder historischer „Authentizität”, die in ihrem Überliefertsein ebenso bildhaft-imaginär wie körperhaft-real ist im medialen Vollzug des Erinnerns. Im materiellen Kulturgut erscheint Überlieferung als transformativer Prozess, der durch Vergegenwärtigung stets neu gebildet wird. Um sich diesem Thema zu nähern, erscheint es Wyss notwendig, auf die historiographischen Anfänge der „Annales“ Bezug nehmen, die nach dem Mitbegründer Marc Bloch in ihren agrar-, sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Untersuchungen eine Sicht auf die Vergangenheit „hors texte”, jenseits linearer Schriftlichkeit übten. Neben einer Beschäftigung mit Walter Benjamins „Passagenwerk“ soll, vermittelt über die Koordinaten von Bild, Medium und Körper, eine methodische Auseinandersetzung mit Pierre Nora und dessen Definition der „lieux de mémoire“ stattfinden.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Diskursanalyse über das Verhältnis von magischer und historischer Vergegenwärtigung an zentralen Fallbeispielen der Ethnologie bzw. Kunstgeschichte
•    Das Entstehen nationaler Vergangenheit im 19. Jahrhundert. Beispiele aus der Gotik- und Romanikrezeption; Beispiele: Gross Comburg, Basler Münster, Mailänder Dom.
•    Die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert und die Konstruktionsverläufe „kultureller Identität“ unter dem Einfluss kolonialer Klischees
•    Gedenkstätten, Gedenkfeiern, Festumzüge als Medien der Herstellung gesellschaftlichen Identität an Fallbeispielen

Ulrich Schulze, assoziiertes Mitglied des Kollegs, wird die Funktion von „Medien und Bildmedien in der Architektur“ des 16. – 18. Jahrhunderts untersuchen. Wegweisend wird dabei die Frage sein, welche Rolle das anthropomorphe Modell von Architektur spielt und welche Bedeutung ihm im Kontext der Interrelationen von Körper und Repräsentation wie auch Bild, Macht und Metaphorik zukommt. Ausgangspunkt für die Forschungsarbeit ist der Escorial Philipps II. als gebauter Kanon, als metrisches System, aber auch als Abbild des gesamten Staates: als Ort der Erinnerung (Memoriastrategien), als Archiv menschlich-ritueller Handlungen, als Pendant zum göttlichen Schöpfungsakt. Anknüpfungspunkte ergeben sich vor allem zu Jan Assmanns Untersuchungen zum kulturellen Gedächtnis.

Als assoziiertes Mitglied wird auch Jutta Held zum Themenfeld Bild, Macht und Metaphorik beitragen. Ihre Forschungsinteressen zur historischen Bildtheorie sind hier von besonderem Interesse, da sie die Schnittstelle von Repräsentation und Körperlichkeit betreffen. In ihrer Forschungsarbeit zeigte Held eine Veränderung von Körper- und Bildverständnissen in der frühen Neuzeit auf. Der menschliche Körper, primäres Element der Bildkonzeption im 17. Jahrhundert, wurde mehr und mehr durch die Repräsentation der „moralischen Körper“ ersetzt und eine neue Körpertheorie wurde Grundlage der Kunst. Helds Interesse – das auch ihre Forschung zur Kunst des 20. Jahrhunderts prägt – folgt Fragen nach dem Verhältnis von bildlicher Repräsentation und Realität, Kunst und Lebenswelt. Im Gegensatz zum Diskurs um die Konstruiertheit traditioneller Bilder, ihrem nicht-realen Status, möchte Held die Frage nach dem jeweiligen Charakter der mimetischen Verfahren aufnehmen und untersuchen, inwiefern Medium und Realität stärker miteinander vermittelt sind.

Ursula Frohne wird sich den Phänomenen der bildlichen Repräsentation von der Seite der visuellen Kultur der Gegenwart aus nähern und sich insbesondere dem Verhältnis von bildlicher Repräsentation und imaginierter Identität im Spannungsfeld von Bild – Körper – Medium widmen. Ihr Arbeitsfeld, das den Titel „Visuelle Kultur und Mediendifferenz“ trägt, stellt die Rolle der Bilder bei der Inszenierung kultureller Identität in den (neuen) Medien in den Mittelpunkt. Im Zentrum steht die Frage nach dem Darstellungscharakter heutiger Bilder, deren Repräsentationsformen sich in einem dialektischen Spannungsverhältnis zwischen Wirklichkeitssteigerung und Realitätsverlust entwickeln. Diese Akzentverschiebung von einer kunstwissenschaftlich geprägten Theoretisierung des Realitätsbezugs mimetischer Verfahren auf Diskurse um den Inszenierungsgehalt und Ereignischarakter traditioneller und neuer Bildkonfigurationen eröffnet Perspektiven auf die komplexen Verschränkungen von Bild – Körper – Medium insbesondere in Film, Video, Installations- und Netzkunst. Innerhalb dieses Themenfeldes ist die Rolle der Bilder bei der Bildung und Transformation kultureller Identität in den Medien von zentralem Interesse. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, eine Systematik neuzeitlicher Identitätskonstruktionen und ihrer medial konstituierten und konstituierenden Elemente zu erarbeiten. Als Voraussetzung dafür werden die Beschaffenheit von Gender, Ethnizität sowie kultureller und geopolitischer Unterscheidungen in ihren visuellen/medialen Erscheinungsformen untersucht und die Gesetze ihres Wandels zwischen Tradition und Hybridität beschrieben.

Die Internalisierung des kontrollierenden Blicks, die Michel Foucault am historischen Modell des Panopticons als disziplinierende Macht moderner Überwachungskulturen veranschaulichte, erreicht durch die Allpräsenz der Medien eine neue Dimension menschlicher „Selbst-Bewusstheit“, die dem Auge der Kamera nicht mehr in erster Linie als Instanz der „Strafe“ ausweicht, sondern dessen Aufmerksamkeit als Fluchtpunkt der persönlichen Handlungsmuster und als Spiegel narzistischer Selbstdarstellung antizipiert. Diese Internalisierung bzw. Einverleibung des “Kamerablicks“ hat nicht nur als sozial-gesellschaftliches Phänomen Relevanz, sondern auch als ästhetische Kategorie erweist sich die Medialisierung des Subjekts und dessen performative Verkörperungen in einer Vielzahl künstlerischer Ansätze als ein dominantes Motiv, das ebenso kritisch wie affirmativ auf die kulturellen Einschreibungen omnipräsenter Medienerlebnisse in die visuellen Darstellungsmuster reagiert. Im Zentrum dieser Untersuchung steht die hypothetische Annahme, dass die rhetorische Überblendung der wirklichkeitsreferentiellen (indexikalischen) Eigenschaften des technologischen Dispositivs mit dem wirklichkeitsfetischisierenden Charakter der ebenso provokanten wie populären Motive zeitgenössischer Positionen das visuelle Imaginationsvermögen als quasi-körperliche Erfahrung anstrebt, die vorgibt, das zunehmend Vermittelte unserer Kommunikations- und Lebensstrukturen zu durchbrechen.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    (Trans-)Kulturelle Bedingungen elektronischer Medienpraktiken
•    Körperkonstruktionen und Machtstrukturen im virtuellen Raum
•    Das Video als Medium kultureller Konstruktion und Rekonstruktion
•    Transgressionen des Körpers in den neuen Medien
•    Affekt und Körper: Konstruktionen der authentischen Erfahrung in den Medien

 

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Modul 2: Bild und Blick

Die Forschungsliteratur zur Kulturgeschichte des Blicks spricht von „dem Blick“ als solchem und differenziert nicht zwischen dem westlichen Blick als Produkt einer spezifischen Kultur und anderen Blick-Traditionen und -Kulturen. In diesem Forschungsfeld wird es darum gehen, den Begriff des Blicks einer kritischen Analyse zu unterziehen. Dabei sollen die Bedingungen dafür erforscht werden, wie visuelle Codes die kulturspezifischen Dispositive des Blicks prägen und verändern, um eine revisionierte Kulturgeschichte des Blicks entwickeln zu können. Christian Metz sprach bereits in seinen frühen Arbeiten von einem „régime scopique“, also - so könnte man übersetzen - einer Ordnung des Blicks, die beispielsweise den Film grundlegend vom Theater unterscheidet. Es lassen sich zudem Epochen wie Barock und Moderne in ihrer Ordnung des Blicks, - vielleicht kann man sogar noch wörtlicher übersetzen - in den Formen ihrer Blick-Regime unterscheiden. Roland Barthes forderte in seiner Fotografietheorie die Beschäftigung mit einer Geschichte des Blicks. Er unterschied den Blick vor und den Blick im Zeitalter der Fotografie. Selbstverständlich lassen sich in der westlichen Kulturgeschichte viele verschiedene Blick-Konstellationen aufzeigen, die in der Kunstgeschichte zu zentralen Sujets geworden sind: Der Blick in den Spiegel ist dabei vielleicht der wichtigste, aber zu nennen sind auch der Blick aus dem Fenster, der Blick in die Ferne, in die Weiten des Himmels und nicht zuletzt der Blick zwischen den Geschlechtern. Für unsere Forschung ist es interessant, den Zusammenhang dieser unterschiedlichen Blicke herauszuarbeiten und zu fragen, warum sich gerade diese Blicke so stark etabliert haben, so dass man meint, an ihnen den „westlichen Blick“ schlechthin erkennen zu können. Wenn Roland Barthes schreibt, das Foto verwandele das Subjekt in ein Objekt, dann ist zuerst einmal festzuhalten, dass der Blick Ursache für diese Transformation ist. Das Foto zeigt diese Konstellation, indem der Mechanismus der Verwandlung von Subjekt in Objekt medial wiederholt wird. Monique Sicard sprach von der Rolle der Seh-Apparate für die Konstruktion des Blicks und bietet damit auch einen interessanten Ansatzpunkt für unsere Forschungen. Allerdings verwechselt sie Blick und Wahrnehmung, was hier nicht für sinnvoll gehalten wird. Die Unterscheidung von Blick als Aktion und der Wahrnehmung als observativem Akt ist wichtig, denn Thema der Forschungen des Kollegs soll nicht ausschließlich das Sehen sein, sondern der Blick als der Komplize und Gegenspieler des Auges.

Ein zweites Thema wird die Reflexion der Theorie des Blicks (in Abgrenzung zu einer Theorie des Sehens und der Optik) in Bezug auf die Konstitution des sich selbst im Blick erkennenden Subjekts sein. In verschiedenen strukturalistischen Theorien wurde versucht, das Subjekt ohne die Idee des blickenden Subjekts zu definieren. Da das Subjekt aber immer auf Autosuggestion angewiesen ist und dieser autoreflexive Status des Subjekts in der westlichen Tradition einen sehr zentralen Platz einnimmt, kann und darf sich der Diskurs um das Subjekt von dieser Konstellation nicht lösen. Psychoanalytiker und Literaturwissenschaftler unternahmen den Versuch, dem Blick in ihren Theorien einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Beispielsweise unterscheidet die angloamerikanische Forschung „gaze“ und „look“ (Kaja Silverman, Martin Jay) oder „gaze“ und „glance“ (Norman Bryson). Jacques Lacan sprach von einer Spaltung von Auge und Blick in Bezug auf die Subjektposition und bietet damit einen grundlegenden Gedanken für die Forschung in diesem Themenfeld. Ausgehend von Lacans Theorem ließe sich eine Geschichte der Bildtechniken wie u.a. Zentralperspektive, Anamorphose, Camera Obscura, Stereoskopie daraufhin befragen, inwiefern sie als eine Augentäuschung und zugleich als eine Blickzähmung zu verstehen sind. Zu einer Theorie des Blicks und der Subjektivität gehört auch eine Beschäftigung mit dem Begriff des Begehrens und eine Auseinandersetzung mit Macht- und Blickregimen, die in Verfeindungsprozessen und im Krieg immer wieder zu besonders riskanten Dispositiven werden. Peter Weibel, der als assoziiertes Mitglied im Kolleg mitarbeitet, wird zu dieser Thematik aus technologiegeschichtlicher Perspektive einen Forschungsschwerpunkt zu „Bild, Technologie und Wahrnehmung“ einbringen und Ausstellungen im Zusammenarbeit mit dem Kolleg im ZKM planen.

Das Modul „Bild und Blick“ wird gemeinsam von Gottfried Boehm, Hans Belting und Norbert Schneider betreut. Boehm will sich dem Thema aus wahrnehmungstheoretischer und phänomenologischer Perspektive nähern. Beltings Interesse gilt der Entwicklung einer Kulturgeschichte des westlichen Blicks – wie sie in ihren Grundzügen bereits in seiner Vorlesungsreihe „L`histoire du regard“ am Collège de France in Paris erarbeitet wurde. Norbert Schneider wird sich mit der Verbindung von Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorie in Bezug auf die Thematik von Bildlichkeit und Körperlichkeit beschäftigen.

Im Mittelpunkt des Arbeitsfeldes von Gottfried Boehm steht die Erforschung von Wahrnehmung im Zusammenhang mit „Ikonizität und Blick“. Dabei knüpft er an seine bildtheoretischen Überlegungen zur Bestimmung des Ikonischen an. Die sensuelle Potenz ist – so Boehm – ein wichtiges Moment des Ikonischen. Überträgt man die sprachtheoretische Differenz, die Entstehung des realisierten Sinns einer „parole“ aus der Fraktur einer „langue“ auf das Bild, wird deutlich, wie zentral die Wahrnehmung, die sich blickend mobilisiert, für das Verständnis ikonischer Systeme ist. In viel höherem Maße als dies bereits die Rezeptionsästhetik behauptet hat, überschneidet sich das sensuelle System des sogenannten Betrachters mit der jeweiligen bildlichen Repräsentation. Die Aufklärung dieses „Chiasmus“ (Merleau-Ponty) ist nicht nur durch die Weiterentwicklung der Phänomenologie, die Psychoanalyse und in einer revidierten Körperauffassung versucht worden, sondern auch von Seiten der Psychosomatik und den Neurowissenschaften. Kaum irgendwo sonst ist das Gespräch zwischen Natur- und Kulturwissenschaften so intensiv und aussichtsreich wie an dieser Schnittstelle. So attraktiv sich der Versuch gestaltet, das neuere Wahrnehmungsdenken aufzunehmen und zu adaptieren, es bleibt unübersehbar, dass die kulturell kodifizierte Wahrnehmungspraxis das eigentliche Bewährungsfeld darstellt. Die Kunstgeschichte z. B. hat sich immer viel darauf zugute gehalten, Sachverwalterin einer „Kultur des Sehens“ zu sein. Wahr bleibt, dass in dieser wie anderen historischen Disziplinen ein unerforschtes Repertoire an visuellen Erfahrungen, an Blickkulturen vorhanden ist, das sich mit neuen Methoden bearbeiten lässt.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Anschauung versus Zeichen? Konvergenzen zwischen Phänomenologie und Semiotik
•    Gibt es eine Geschichte des Sehens? Bedingungen einer Historisierung der Wahrnehmung
•    Das Pathos des „Sehens“ in der Kunsttheorie der frühen Moderne
•    Blick und Bild: Die Struktur des Chiasmus und ihre Tragweite
•    Sehkonzepte (Die Modi des sehenden Sehens, des erinnernden und des kognitiven Sehens und ihre Funktionen)
•    Die Kultur des Auges und die Konstruktion der Dinge

Hans Belting will in dem hier vorgestellten Modul weiterhin einzelne Dissertationen betreuen, wenngleich er sich nach seiner Emeritierung stärker zurückziehen und seine neue Aufgabe darin sehen möchte, auch in der Beratung der laufenden Dissertationsprojekte in einem kollegialen Verbund zu wirken. Seine anfängliche Zielrichtung im Thema des Graduiertenkollegs war wesentlich durch sein Buch „Bildanthropologie“ bestimmt. Sein neues Arbeitsgebiet nennt er „Die Geschichte des Blicks“ und versteht hier unter dem Blick den westlichen Blick als Sammelbegriff für eine Vielzahl visueller Codes, die unter den Bedingungen und in der Geschichte der westlichen Kultur entwickelt wurden. Der medienwissenschaftliche Diskurs hat dabei seinen Platz im Sinne von Monique Sicards Buch „La fabrique du regard“ oder im Sinne der Forschungen von Foucault. Dennoch will er dabei den anthropologischen Ansatz weiterführen, wenn auch unter verstärkt kulturspezifischen Prämissen. Bildwissenschaftlich ist dieses Thema gerade deswegen von Belang, weil Bilder in der westlichen Kultur in hohem Maße als Repräsentation des Blicks oder einer bestimmten Konfiguration von Blicken entstanden sind.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Die Fenster-Metapher bei Alberti und ihre Bedeutung für den Blick auf die Konvention des Tafelbildes; Der Blick aus dem Fenster bei Velazques, Murillo und Manet
•    Blick-Kreuzungen, u.a. in den Arbeiten von Jeff Wall
•    Die Spaltung von Auge und Blick (Lacan) und die Geschichte der optischen Täuschungen
•    Antinomische Blicke, z.B. Trompe l'oeil versus Panoptismus, Der verbotene Blick versus der imaginierte Blick
•    Der Blick im virtuellen Raum

In der ersten Förderphase konnte Norbert Schneider u.a. seine Kenntnisse zur Geschichte der modernen Epistemologie, in welcher der Bildbegriff als Terminus für mentale Interiorisationen von Anschauungen (Kant, Fichte bis Wittgenstein) eine zentrale Rolle spielt, gewinnbringend in die Arbeit des Kollegs einbringen. In der neuen Forschungsphase will er sich – auch in Zusammenarbeit mit Beat Wyss und Jan Assmann – vertieft der Vermittlung von „Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorie“ zuwenden, die für das Thema „Bild, Körper, Medium“ von so großer Bedeutung ist. Was bereits auf Leonardo zutraf, nämlich dass er seine Realitätserkenntnis auf Empirie gründete, ihm also nur die Sinne eine verlässliche Grundlage für eine Einsicht in die geheimen Vorgänge der Natur boten, galt auch für Galilei und seine Theorie der induktiven Spekulation: sie geht von beobachtbaren Tatsachen aus. Unter Setzung der Hypothese einer kontinuierlichen Gleichförmigkeit in den Naturprozessen, die durch Vernunftschlüsse in ein gesetzmäßiges System überführt werden und dessen verallgemeinernder Charakter die nicht beobachteten Fälle überbrückt und so eine Harmonisierung schafft, kann eine apriorische Seinsform der Natur deklariert werden. Die sich in diesen Überlegungen herausbildende Erkenntnistheorie führt von ihrem Gegenstand, der Natur, hin zu der Reflexion über die Konditionen des subjektiven Bewusstseins und seiner kategorialen Potentiale. An dieser Stelle ist die Entwicklung einer neuen Wahrnehmungs-, und damit Körper- und Subjekttheorie zu untersuchen, die in der Forschung bisher zu wenig Beachtung fand.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Eidos und Eikon. Anschauung und bildliches Denken als Modus der Erkenntnis. Exemplarische Studien zur „scientia intuitiva“ von Platon bis zur Phänomenologie
•    Bildfeldtheorien und Metaphorologie. Neuere Ansätze zur Topologie mentaler Bilder als Denkmodelle
•    Bildwahrnehmung und Imagination. Ihre Bestimmung in den Bewusstseinstheorien von Alexius Meinong, Edmund Husserl und Maurice Merleau-Ponty
•    Sehen als Konstruktion. Konzeptionen corticaler Bilderzeugung in Kybernetik, Konstruktivismus und Systemtheorie

 

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Modul 3: Bildpragmatik

Aus Sicht der Ostasienwissenschaften zählt das Graduiertenkolleg zu den wenigen Orten, an denen ernsthaft und beständig der Versuch gemacht wird, die Perspektive auf Ostasien in den westlichen Wissenschaftsdiskurs einzubinden. Eine der Chancen des Graduiertenkollegs liegt darin, auf dem Feld der Medientheorie und Medientechnologie der anachronistischen Einengung auf den europäischen Kulturbereich entgegenzuwirken. Die zeitgenössische Kunst Ostasiens kann nicht adäquat beurteilt werden, wenn man sie, sozusagen lateral, nur vor dem Hintergrund der zeitgenössischen westlichen Kunst sieht. Man wird feststellen, dass Bilder zu Fragen nach Original und Kopie, Realismus und Verismus, Reduplizierbarkeit und Wirkkraft, in einem anderen Verhältnis agieren, als im Westen gemeinhin vorausgesetzt wird. Hinzu kommen unterschiedliche Konzepte, das Format, die Malweise und auch die Sehpraktiken der Bilder betreffend. Lothar Ledderose wird daher den Schwerpunkt seiner weiterführenden Forschungen auf die „Theorie der Bildpraxis in China“ legen, wobei der historischen Perspektive erhöhte Aufmerksamkeit zukommen wird. In Ergänzung des bildpraxeologischen Ansatzes, der die unterschiedlichen Bildmedien und Bildformate in den Blick nimmt, soll die reiche Tradition der theoretischen Auseinandersetzung mit Bildern, die sich seit dem 4. Jh. nach Christus (später auch in Japan) in einer dichten Folge von Malerei- und Kalligraphie-Traktaten niedergeschlagen hat, für einen bild- und wahrnehmungstheoretischen Diskurs über Bilder und Bildmedien in China produktiv gemacht werden.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Nationale, kulturelle und geschlechtliche Identitäten im Kunstraum China im Kontext der Globalisierung
•    Zum Stellenwert von Original und Kopie in der chinesischen Malerei
•    Visuelle Kultur im Buddhismus und ihre textliche Grundlage
•    Körper und Diagramm

Jan Assmann strebt eine Vertiefung seiner ägyptologischen Studien zum Thema „Bild und Kult“ an (siehe Modul 1).

Die wachsende Bildvermitteltheit von Kultur, die in der Vorstellung von einer globalen visuellen Kultur gipfelt, wirft als ihr Umkehrbild die Frage nach der kulturellen Codierung von Bildern auf. Die Frage nach der Inter- oder Transkulturalität von Bildern ist nur im Rahmen einer Mediengeschichte, welche die Daten, Brüche und Zäsuren von anderen, nicht-europäischen „Geschichten“ mitverzeichnet, zu behandeln. Der von Götz Grossklaus als assoziiertes Mitglied benannte Forschungsschwerpunkt „Interkulturalität und Mediengeschichte“, der die Kernfrage aufnimmt, wie technisch-mediale Bilder im Universum der Bilder kulturell zu verorten sind, will in Ergänzung der angeführten Bereiche einen innovativen Beitrag zur geopolitischen Ausdifferenzierung einer Bildmediengeschichte leisten. Ausgangspunkt ist die Annahme der universalen Leitmedien Sprache, Schrift, Bild, Ziffer, die geschichtlich und von Kultur zu Kultur unterschiedliche, gesellschaftlich verbindliche Systeme ausbilden. Mit der medialen Technifizierung der Kommunikation (seit der Einführung des maschinellen Buchdrucks um 1450) und mit dem Auftreten der ersten technischen Bilder (seit 1835) verläuft die Mediengeschichte in Europa in anderen Bahnen und in einem anderen Tempo als in nicht-westlichen Kulturen. Das moderne technische Bild (Fotografie, Film etc.) trägt zur Kolonisierung der Bild-Welten anderer Kulturen bei. Mediengeschichtlich stellen sich dadurch Fragen nach der kulturellen Bild-Differenz wie auch dem interkulturellen Bilder-Tausch. Zudem wird es um das Verschwinden von Differenz und Tausch zugunsten von „gemischten Bildwelten“ (Hybridisierungen) gehen, die durch Adaption, transkulturelle Kontamination und Angleichung (Vattimo) bestimmt sind.

Siegfried Gohr wird seinen bisherigen Forschungsschwerpunkt „Bildstrategien der Künstler“ anhand der Frage nach der Repräsentation des Körpers im Selbstbildnis vertiefen. Nach 1960 lässt sich eine verstärkte Einbeziehung des eigenen Körpers in den kreativen Akt der Selbstanalyse beobachten. Beuys, die Wiener Aktionisten, Bruce Naumann, Jasper Johns, Baselitz, Kiefer, Lüpertz, Penck, Rosemarie Trockel, die Vertreter der Arte Povera und viele andere erweiterten die formalen Möglichkeiten und setzten einen neuen Austausch von Ich-Imagination, Körperlichkeit und Repräsentation in Gang. In Installationen, Happenings, Performances, Fotodokumentationen wurden die neuen Verhältnisse untersucht und ästhetisch formuliert. Forschungen zum Einsatz des Körpers als Experimentierfeld, als Chiffre, als Metapher, als Inszenierung, als Selbstanalyse etc. lassen sich aus dem Themenkomplex in reicher Zahl ableiten und mit den anderen wissenschaftlichen Feldern des Kollegs verbinden. Besonders aufschlussreich versprechen Untersuchungen zu sein, in denen die europäisch-amerikanischen Bildstrategien auf Übernahmen und Anregungen aus "fremden" Kulturen befragt werden (Schamanismus, Tätowierung, Bemalung des Körpers etc.).

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Der Körper-Diskurs in der Kunst der 90er Jahre
•    Fluxus und Happenings. Zwischen Realpräsenz und medialer Repräsentation
•    Land Art und die Reproduktionsmedien
•    Baselitz. Selbstdistanz und Selbstberührung
•    Video-Installationen von Bruce Nauman: die Einbeziehung des Betrachters

Beat Wyss möchte das Thema „Bild und Wissen“ einführen und damit epistemologische Untersuchungen zum Bild fördern. Auf der Grundlage von Michel Foucaults diskursanalytischer Methode, wie sie in „Les mot et les choses“ niedergelegt ist, sollen der Aufbau und Wandel von Sammlungen analysiert werden. Jede Sammlung - zeige sie Kunstwerke, archäologische Funde oder Gegenstände der Naturwissenschaft und Technik - bietet eine vergegenständlichte Form des Wissens, eine Auslegung von Welt und deren symbolischen Bemächtigung. In diesem Sinne repräsentieren Museen und Sammlungen epochales Wissen in Bildern, zusammengesetzt aus einem Korpus von Dingen, deren Anordnung mit Heinrich Wölfflin gesprochen Medium einer „Weltanschauung“ ist. In der Ordnung von Sammlungen werden die epistemologischen Koordinaten einer Wissensform ablesbar. Verändernde Eingriffe in die Anordnung deuten auf wissenschaftliche Paradigmenwechsel.
Ein weiterer Fokus liegt auf den kulturmächtigen Bildern, die eine Epoche, eine Kulturregion als Kanon prägen. Zu untersuchen ist der strukturelle Zusammenhang von künstlerischen Bildvorstellungen und (natur-)wissenschaftlichen Weltbildern, mithin der Zusammenhang von Eidos und Episteme. Die korrelative Funktion von Bild und Wissen zeigt sich vor allem im Prozess der Umbildung und dem Zerfall kanonischer Vorstellungen. Ästhetische Innovationen in der Kunst verlaufen oft unabhängig zu Entdeckungen in der wissenschaftlichen Forschung. Der ästhetischen Erfahrung kommt dabei die Aufgabe zu, neue Auffassungen von der Welt im Bild nachvollziehbar und damit kulturell integrierbar zu machen.

Mögliche Dissertations- und Post-Projekte zu diesen Themen:

•    Langzeit-Verlaufsanalyse von fürstlichen Sammlungen, anhand monografischer Fallbeispiele
•    Der Prozess der Trennung von Kunst- und Naturalienkabinetten im 17. Jahrhundert
•    Der Wandel von Präsentationsformen in naturwissenschaftlichen Museen des 19. Jahrhunderts
•    Diskursanalyse von künstlerischen und wissenschaftlichen „Weltbildern“: Landschaftsmalerei zur Zeit von René Descartes, Abstraktionsmodelle um 1900 und die Erkenntnisse der Quantenphysik
•    Die Geschichte der Bilddokumentationen in der archäologischen und ethnologischen Forschung

Während der ersten Förderperiode des Graduiertenkollegs hat sich die Frage nach der „Inter- und Transkulturalität“ bildlicher Repräsentation als ein besonderes Desiderat der Bildwissenschaft erwiesen. Dieser Herausforderung muss sich eine Bildwissenschaft als Kulturwissenschaft in Zeiten der Globalisierung und angesichts der kontinuierlichen Ausdifferenzierung von KULTUR in Kulturen stellen. Die inter- und transkulturelle Perspektivierung des Bildbegriffs hat daher nicht nur eine Sprengung des euro- und ethnozentristischen Rahmens im Visier, sie zielt auch auf eine transdisziplinäre Erweiterung ab, die es erlaubt, Bildpraxis, Bildpragmatik und Bildtheorie in alternativen Kulturen wie Alltags- und Wissens(chafts)kulturen zu erforschen wie auch umgekehrt deren imagologische Implikationen in den Blick zu nehmen. Ein in dieser Weise verstandener Iconic Turn könnte vor allem in den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften, die nach wie vor im Bann des Linguistic Turn stehen, zu innovativen Forschungsergebnissen führen – und wohl auf lange Sicht zur Fundierung eines neuen Forschungsfeldes beitragen. Die für Juli 2003 geplante Tagung „Transmission Bild. Bilder und Bildmedien als Kulturbotschafter“ wird sich diesem Desiderat widmen. Zugleich sollen auf dieser Tagung zusätzliche fachliche Kontakte geknüpft werden.
 

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Modul 4: Bild, Bewegung und technische Repoduktion

Wie bereits im einleitenden Text zu diesem Nachtrag dargestellt, soll das bewegte Bild und seine Bedingungen und Möglichkeiten ein besonderer Schwerpunkt der kommenden Förderperiode sein.

Siegfried Zielinski will mit seinen Untersuchungen zur „Archäologie der Zeitkünste“ in die Tiefenzeit medialer Konstellationen eindringen und dabei die Spur der bildenden Kraft des Elektrischen von archaischen Phänomenen wie Biolumineszenz bis hin zur audiovisuellen Zeitmaschine „Computer“ verfolgen. Eine solche Retrospektive soll noch unerfasste Einsichten in das spannungsreiche Wechselverhältnis zwischen Bildern der Bewegung und Bildern der Zeit liefern.
Als Quelle unerschöpflicher Diskussionen über Kulturtechniken und Technikkultur stellt sich nach wie vor die Spannung zwischen Kalkulation und Einbildungskraft, zwischen Berechnung und Unberechenbarkeit, zwischen Maß und Maßlosigkeit heraus. Sie ist nicht auflösbar, und jede dogmatische Entscheidung für einen ihrer Pole kann nur zu Lähmungen führen. Aber man kann sie in experimenteller Praxis erforschen und immer wieder neu ausloten. Radikale Versuche, die Grenzen des Formalisierbaren so weit wie möglich in Richtung des nicht Berechenbaren zu verschieben, und umgekehrt, die Kräfte der Einbildungskraft so weit wie nur möglich in die Welt der Algorithmen vordringen zu lassen, können dabei helfen, für eine durch Medien stark geprägte Kultur mehr Klarheit zu gewinnen und Handlungsspielräume zu eröffnen. Eine Archäologie der Medien wird diesen Aspekt der Verschränkung des Medialen mit dem Imaginären herausarbeiten können. Anknüpfungspunkte ergeben sich hier vor allem zum Themenschwerpunkt „Repräsentation und Imagination“ in  Modul 1.  

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Archaische Phänomene des Elektrischen, des Magnetismus und des Elektromagnetismus (Antike bis Ende des 16. Jahrhunderts)
•    Beginn der systematischen Erforschung des Elektrischen und die Entwicklung erster Artefakte zur künstlichen Erzeugung von Elektrizität (1600 bis Mitte des 18. Jhdts.)
•    Frühe elektrische Medienmaschinen und die Entdeckung einer Kunst in der Zeit (bis Mitte 19. Jahrhunderts)
•    Fotografierte Zeit. Fokus: Etienne Jules Mareys chrono(foto)grafische Methode der Dynamisierung von einzelnen Bildkadern (1880er und 1890er)
•    Zur Elektrifizierung des mechanischen Kinoherzens (1880er und 1890er)
•    Das elektrische Perspektiv (Modelle des Fernsehens, 1880er bis 1920er)
•    Audiovisuelle Zeitmaschine I: Video
•    Audiovisuelle Zeitmaschine II: Computer

Die Frage nach dem Bild scheint sich aus der Perspektive des Film- und Fernsehwissenschaftlers Kay Kirchmann, der die „Zeitlichkeit und Körperlichkeit im filmischen Bild“ als seinen Forschungsschwerpunkt benannt hat, nur im komplexen Wechselspiel von (anthropologischen) Bildmustern, den jeweiligen kulturellen und historischen Spezifika der Bildproduktion und –rezeption sowie deren medialer Fundierung (Dispositiv, Materialität) situieren zu lassen. Keinem Faktor dieser Trias möchte er vorschnell apriorische Prägungskraft zusprechen. In diesem Sinne ist seine Ausgangsbeobachtung zu verstehen, dass jedes Medium sein Bildkonzept zunächst einmal selbst herstellt (und dann historisch weiterentwickelt) und dies primär in Differenz zu anderen Bildmedien, ohne dabei jedoch die Tradition vorgängiger Bildformen vollständig negieren zu können. Insofern wäre auch eine Systematik der filmischen Bilder in der skizzierten Dialektik von Tradition und Differenz zu untersuchen.

Als methodisch leitend kann hierbei die Luhmannsche Basisdifferenz von „Medium“ und „Form“ figurieren, wonach jedes Medium niemals als solches, sondern immer nur in den durch es bereitgestellten Optionen der Formgebung überhaupt beobachtbar ist. Damit rückt, wenngleich bei Luhmann selbst nicht explizit ausformuliert, die Frage nach einer Bildästhetik als einzig mögliche Erkenntnisform des Mediums (zurück) ins Zentrum medienwissenschaftlicher Betrachtungsweisen, also ironischerweise gerade jene epistemologische Tradition, die Medienmaterialisten von McLuhan bis Kittler mit der Ausrufung einer „Medientheorie“ aus dem Methodenkanon zu eliminieren trachteten.
Ein trivial anmutendes Moment der angeführten Differenzbildung liegt natürlich in der Dynamik der filmischen Bilderfolge sowie den bildimmanenten Bewegungsoptionen begründet; dennoch sind dessen Implikationen im Hinblick auf die Definitionsparameter des Bildes (Rahmung, Bildfläche, Sequenzialität etc.) erheblich weitreichender, als es die gängigen Ableitungen aus einem kunstwissenschaftlichen Bildverständnis zuweilen suggerieren. Ganz im Sinne der Antragsvorgaben sieht Kirchmann seinen Beitrag zum Forschungsprogramm des Kollegs in der Erforschung der Tatsache, dass „die Zeitform wesentlich zur Medienfrage hinzugehört“. Nicht zuletzt deshalb werden auch Aspekte der linearen Bildverknüpfung (Montage, Mise-en-scène) eine entscheidende Rolle spielen. Gleiches gilt für jene Formen „gestörter“ Zeitlichkeit, die als ästhetische Figuration von Handlungslöchern, Erinnerungslücken, unlogischen Bildanschlüssen etc. eine dominante Rolle bei der Formulierung eines modernen Verständnisses des Filmbildes (etwa ab 1960) einnehmen.

Lässt sich hieraus schon ersehen, dass die Konstituierung eines filmischen Bildbegriffes in modernen und postmodernen Filmästhetiken ganz wesentlich aus der Dekonstruktion vorgängiger (intra- wie intermedialer) Bildmuster besteht, so lässt sich dies methodologisch auch für eine Definition des filmischen Körper-Bildes operationalisieren. Auch hier scheint ein „negativer“ Erkenntniszugang vielversprechend zu sein, d.h. gerade aus der Untersuchung filmischer Körpernegationen (z.B. in Form von Unsichtbarkeit) dürften wichtige Aufschlüsse über das medienimmanente Körper-Bild zu gewinnen sein.
Inwieweit sich von hieraus heuristische Brücken zur konstitutiven These von einer anthropologischen Dimension „des“ Bildes schlagen lassen, wird sich sicherlich noch zu erweisen haben. Sie könnten aber z.B. in der gemeinsamen Erörterung der Frage bestehen, inwieweit Bilder – jenseits ihrer historischen, kulturellen und medialen Binnendifferenzen – als favorisierte (symbolische) Medien kultureller Selbstvergewisserung über Zeitlichkeit und Körperlichkeit beobachtbar sind und was die hierfür konstitutive Funktionsdifferenz gegenüber anderen Formen medialer Symbolisierung (Schrift, Klang, Plastik etc.) sein könnte.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Stadt-Körper im Film nach 1945: Gewebe, Ruine, Labyrinth
•    Bild und Leerstelle – eine rezeptionstheoretische Modellierung der Montage
•    Bild- und Körperdiskurse im klassischen Avantgardefilm
•    Stasen im filmischen Zeit-Bild
•    Undarstellbarkeit, Unerinnerbarkeit – zur Phänomenologie des Holocaustbildes
•    Negativität als Schlüsselkategorie des Bildes
•    Semantik der Oberfläche – zur Phänomenologie ikonischer Unmittelbarkeit

Ursula Frohne (siehe Modul 1) wird sich dem Medium des künstlerischen Videos und der künstlerischen Nutzung des Internets seit den 90er Jahren widmen.

Auch Götz Grossklaus wird in der Fortsetzung seines bisherigen Schwerpunktes „Technisch-mediales Bild – Körper – Medium“ das hier vorgestellte Modul um eine mediengeschichtliche Perspektive auf das bewegte Bild ergänzen, in dem er die Spezifik der Medien für bewegte Bilder weiter herausarbeitet, und zwar besonders das Verhältnis von „Medium-Zeit-Bewusstsein“. Es soll hierbei um die Darstellung (1) eines für die Bildmedien (Foto, Film, Computer-Simulation) je spezifischen Zeit-Ausdrucks gehen: einer der jeweiligen Bildlichkeit innewohnenden Zeitlichkeit; weiterhin (2) um die Beschreibung einer mit dem mediengeschichtlichen Wandel (Buch, Literatur, Fotografie, Film, TV, Computer) einhergehenden Veränderung unserer Zeit-Wahrnehmung, unseres Zeit-Entwurfs in der tendenziellen Verabschiedung des linearen Zeit-Konzepts zugunsten eines nicht-linearen Netz-Konzepts; und schließlich (3) die Erfassung der Beziehung des externen medialen Zeit-Modells zu den internen, kognitiven, Zeit entwerfenden Akten unseres Körpers = unseres Bewusstseins (Erinnerung, Vorstellung, Wahrnehmung) und vice versa.

Angestrebt sind ferner Perspektiven, die zur theaterwissenschaftlichen Erweiterung bisheriger Forschungsansätze zum bewegten Bild beitragen sollen. Zum einen wird es Christopher Balme im Schwerpunkt „Der Schauspieler als Bild“ darum gehen, den Schauspieler bzw. im weitesten Sinne den Darsteller als Bild näher zu bestimmen. Dies schließt vor allem den in der Forschung bisher vernachlässigten Bewegungsaspekt ein. Hat die Forschung die schauspielerische Bildwirkung vorwiegend im Bereich der Kostümierung lokalisiert, so soll in diesem Projekt der Versuch unternommen werden, Ergebnisse der aktuellen Performativitätsdiskussion stärker als bisher in den Blick zu bekommen. Diese Akzentverschiebung hat zur Folge, dass kinesische und mimetische Zeichen nicht isoliert betrachtet werden sollen, wie dies in der Theatersemiotik der Fall war, sondern dass vielmehr Bewegung in ihrer Prozessualität und nicht nur in ihrer Textualität zu untersuchen wäre. Bildanthropologisch gesprochen handelt es sich um eine besondere Verschränkung der Faktoren Medium – Bild – Körper. Angeknüpft werden soll an die Ergebnisse theaterikonographischer Forschung, die in den letzten Jahren ein brauchbares wissenschaftliches Instrumentarium zur Untersuchung von Theaterbildern bereitgestellt hat. Von besonderem Interesse sind die Schnittstellen zwischen Schauspiel- und anderen Bildkünsten. Folgende zwei große Perspektiven sollen im gemeinsamen Blickpunkt mit den anderen KollegInnen stehen:

Bis zur Erfindung der Kinematographie war ein Grund- und Dauerproblem ikonographischer Darstellungen aller Theatergattungen die Repräsentation von Bewegungsabläufen. Auch bei den Theaterstilen, denen man einen Hang zum Statuarischen nachsagte, bildeten Körperbewegungen, wenn nicht einen ästhetisch-bedeutenden, so doch einen unübersehbaren Bestandteil des Theatererlebnisses. Für den Künstler oder Zeichner, der sich dem Theater widmete, gab es im Grunde nur einen Mittelweg zwischen signifikanten, bedeutungsgeladenen Momenten und der natürlichen Serialität von Bewegung, die sich der Konkretisierung in einzelnen Bildern entzieht.

Ausgehend von dem kontrovers diskutierten und historisch schwer zu bestimmenden Begriff des Bildertheaters soll die Frage der Bildlichkeit und Performanz im Kontext gegenwärtiger  Theaterexperimente untersucht werden. Den Ausgangspunkt bildet das Aufkommen des sogenannten Bildertheaters in Deutschland (Minks, Freyer, Wonder) bzw. des Theatre of Images (Wilson) in den 1970er Jahren. Wiederholt wurde das „Verschwinden“ des Schauspielers hinter den Bildstrategien des Regiekonzepts konstatiert bzw. bemängelt. Damit wird das alte Spannungsverhältnis zwischen Bildlichkeit und Sprachlichkeit, Drama und Bühne im Theater wieder virulent. Während sich die bisherige Forschung in erster Linie auf die szenographischen Anteile in dieser theaterästhetischen Entwicklung konzentriert hat, sollen in diesem Projekt die verschiedenartigen Strategien zur ‚Bildwerdung’ des Schauspielers herausgearbeitet werden. Dass der Schauspieler nie gänzlich zum Bild werden kann – außer vielleicht im Tableau – erklärt auch die Anziehungskraft des Mediums Theater für eine jüngere Generation von Theaterregisseuren, wie etwa die Belgier Jan Fabre oder Jan Lauwers, die aus der bildenden Kunst kommen. Für sie bietet das Medium Theater Widerständigkeit gegen die Bildmedien der Populärkultur.

Mögliche Dissertations- und Postdoc-Projekte in diesem Themenfeld:

•    Klassizistische Schauspielkunst im ausgehenden 18. Jahrhundert
•    Von der Zeichnung zur Aufzeichnung: Serielle Darstellungen von Schauspielkunst vor Erfindung des Films
•    Tanzikonographie im Medienvergleich
•    Die Rückkehr der Marionette: Zeitgenössisches Figurentheater als Bildertheater
•    Der Körper als „screen“: Der Schauspieler als Intermedium (u.a. in den Inszenierungen von Robert Wilson)