Bilder in der Archäologie - Archäologie der Bilder.

17.04.2008 to 20.04.2008

Universität Hamburg
 

In der traditionellen Bildhermeneutik dienen zumeist Schriftquellen der Rekonstruktion von kulturhistorischen Kontexten und Sinngehalten. Diese Orientierung an primär außerbildlichen Quellen prägt auch weite Teile der Bildwissenschaft(en).
Doch angesichts von Epochen, aus denen keine oder nur wenige Schriftquellen vorliegen, erweist sich eine derartige Annäherung als schwierig. Insbesondere in den archäologischen Wissenschaften besitzen deshalb visuelle Darstellungen einen prekären Status. Ihr Aussagewert schwankt oftmals zwischen einer positivistisch verstandenen Abbildung sozialer Wirklichkeit und der Illustration von aus Schriftquellen gewonnenen Erkenntnissen über gesellschaftliche Praktiken. Beide Vorgehensweisen sind vor dem Hintergrund neuerer methodischer Ansätze nicht mehr haltbar.
Gibt man eine textorientierte Bildhermeneutik auf, müssen die formalen und medialen Eigenschaften des einzelnen Bildobjekts in das Zentrum der methodischen Annäherung rücken. Diese Fokussierung auf das Einzelobjekt, seine Kategorisierung und Kontextualisierung, ist nicht nur für die Archäologie(n) eine große Herausforderung, sondern auch für die sich neu formierende(n) Bildwissenschaft(en). Deshalb möchten wir mit diesem Workshop einen Dialog eröffnen, in dessen Zentrum die Frage steht, wie eine »Archäologie der Bilder« aussehen könnte. Dabei gilt unser Augenmerk nicht dem Wesen des Bildes, sondern Inszenierungs- und Nutzungsformen der Bilder und einer am »materiellen Habitus« (Manfred K. H. Eggert) zu entwickelnden Hermeneutik jenseits schriftlicher Parallelüberlieferungen.
Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist eine anthropologische Perspektive auf das Bild, wie sie das Karlsruher Graduiertenkolleg, das diesen Workshops veranstaltet, seit längerem verfolgt. Im Zentrum des anthropologischen Bildbegriffes steht der Körper. In ihm haben Bilder ihren Bezugspunkt - hier werden sie sichtbar und verhandelbar. Doch wird nicht nur der Mensch als Produzent und Rezipient von mentalen und artifiziellen Bildern in die Betrachtung einbezogen, sondern auch der mediale Körper der Bilder: Medien formen durch ihre materielle Beschaffenheit und ihre Inszenierung spezifische Bilderfahrungen, sie generieren und reproduzieren individuelle wie kollektive Modi der Welterfahrung.
Von dieser Interdependenz von Bild, Körper und Medium ausgehend möchten wir uns auf dem Weg zu einer möglichen »archäologischen Hermeneutik« an drei Bildkontexten orientieren: den Referenzleistungen von Bildern, der Bildpraxis und der Bildinszenierung.
 
Rednerliste

Jennifer Bagley (Ludwigs-Maximilians-Universität München)
Barbara Borg (The University of Exeter)
Manfred K. H. Eggert (Universität Tübingen)
Daniel Graepler (Georg-August-Universität Göttingen)
Annette Haug (The University of Oxford)
Michaela Helmbrecht M.A. (Lunds Universitet)
Vítezslav Horák (München)
Christoph Huth (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
Carsten Juwig (Karlsruhe)
Catrin Kost (Karlsruhe)
Urte Krass (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte Florenz)
Thomas Macho (Humboldt-Universität Berlin)
Rainer Warland (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)