Workshop // Bildkörper.

03.07.2008 to 06.07.2008

Die Frage nach dem Bild führt unweigerlich die Frage nach dessen Körper mit sich. Bilder präsentieren nicht nur, indem sie einem Betrachter etwas zeigen, sie stellen sich selbst in einer entgegen blickenden Körperlichkeit in die Sicht; sie verkörpern dadurch Sichtweisen. Dass damit nicht nur dessen substantiale Erscheinungsweisen angesprochen sind, sondern auch dessen Verortung im Verhältnis von Material-Bild und Bild-Betrachter, ist angesichts eines erweiterten Bildbegriffs zu untersuchen. Bewegte Bilder wie z.B. im Theater oder im Tanz verlangen andere Entscheidungen hinsichtlich Materialität, Plastizität oder Volumenhaftigkeit als das klassische Tableau. Als Bildkörper betrachtet besitzen Grapheme eine Materialität, die beim Lesen von Bildern oder Texten aus dem Blick
gerät und deren Interaktion andere deiktische Formen zeitigt als der genuine Text/Bild Vergleich. Was passiert also, wenn sprachliche – d.h. mit den distinkten Mitteln des Alphabets erstellte – Bilder auf Reproduktionen treffen, mit deren deiktischen Gesten? Ein erweiterter Begriff des Bildkörpers ist somit nicht nur hinsichtlich des Wirkungskreises, sondern insbesondere hinsichtlich darstellerischer Praktiken – als Teil der Konzeption von Bildlichkeit – zu befragen. Was bleibt bei einer Performance im Gesamteindruck am Körperlichen, d.h. was bleibt bei den Polen der oft herangezogenen Denkfigur des "Dazwischen"? Dementsprechend muss erörtert werden, ob sich eine produktive Diskrepanz zwischen dem physisch Vorhandenen einerseits und dem Bildkörper andererseits ausmachen lässt. Inwiefern divergieren die Wirkungsbereiche von Material, Medium und erweitertem (Bild-) Körperlichkeitskonzept? Wie gestalten sich Materialität und Medialität im Wechselspiel zwischen Vermittlung und Vermittlungsverweigerung und wie interagieren Körperlichkeits- und Materialitätseffekte und -diskurse? Und inwieweit führt die Auseinandersetzung mit Materialität und Medialität zu einer erneuten Aufnahme von medienzentrierten Theorien? Ebenso werfen sequentielle bzw. kumulierte Bildkonzepte, in denen mehrere Bilder einen "Bildcorpus" entstehen lassen, die problematische Frage nach einem Gesamtbild auf. Sind solche Synthetisierungstendenzen ein hermeneutisches Problem? Wenn beispielsweise von einem "Bildcorpus" die Rede ist: welche Körperdiskurse werden in Anschlag gebracht und welches Bildlichkeitskonzept resultiert daraus? Die Interferenz von Bild- und Körperdiskursen ist in ihren historischen Verschiebungen besonders deutlich in den Wissenschaften zu beobachten, wo das Körperliche nur ins Bild gesetzt (von der Anatomie über das Präparat bis zur Simulation) greifbar, analysierbar und manipulierbar wird. Die Strategien der Konvergenz bzw. der imaginären Zusammensetzung bedingen ebenfalls ein kritisches Aufgreifen von Konzepten der ästhetischen Erfahrung und der Produktion von Bedeutung. Ausgangspunkt ist also eine Thematisierung des erweiterten Bildkörpers, welche über klassische Bildformen hinaus Installationen, Bewegungsbilder, performative Formen, Bilder in den Medien und in den Wissenschaften in ihrem Bezug zu Produktions- und Distributionstechniken, zu Aufführungs- und Ausstellungsorten sowie zu den Beobachtern und Benutzern zu beleuchten sucht.
 
Konzeption: Inge Hinterwaldner, Anja Schürmann, Ludger Schwarte, Alexander Schwinghammer, Mirjam Wittmann.

Rednerliste

Simon Baier (Basel)
Hans Belting (Karlsruhe)
Sonja Böni (Basel)
Sabina Brandt
Markus Buschhaus (Karlsruhe)
Francesca Falk
Rania Gaafar (Karlsruhe)
Mladen Gladić (Princeton)
Johannes Grave (Basel)
Nina Herres (Basel)
Inge Hinterwaldner (Basel)
Sabine Kampmann (Karlsruhe)
Franziska Koch (Karlsruhe)
Florian Leitner (Karlsruhe)
Florian Lippert (Karlsruhe)
Roland Meyer (Karlsruhe)
Isabell Otto (Karlsruhe)
Marius Rimmele (Karlsruhe)
Jörg Scheller (Karlsruhe)
Samantha Schramm (Karlsruhe)
Martin Schulz (Karlsruhe)
Anja Schürmann (Karlsruhe)
Ludger Schwarte
Alexander Schwinghammer (Karlsruhe)
Robert Suter
Mirjam Wittmann (Karlsruhe)
Deniz Yenimazman (Karlsruhe)